Wie verbessere ich meine Eigenkapitalquote?

Die Eigenkapitalquote (nachfolgend „EKQ“) ist eine der am häufigsten zu Rate gezogenen Kennzahlen, wenn es um die Risikobewertung eines Unternehmens geht. Insbesondere für Banken spielt die Eigenkapitalquote eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Bonität eines Unternehmens zu bestimmen. Eine höhere Eigenkapitalquote geht dabei in der Regel mit günstigeren Zinskonditionen einher. Darüber hinaus ist die EKQ eine zentrale Kennzahl des Controllings, da sie ausschlaggebend für die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens ist.

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Wie errechnet man die EKQ?

Die Eigenkapitalquote beschreibt das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme des Unternehmens. Das Eigenkapital umfasst neben dem gezeichneten Kapital und aufgelaufenen Gewinnen oder Verlusten auch etwaige Rücklagen und Reserven des Unternehmens. Die mathematische Formel sieht wie folgt aus:

Eigenkapital/Bilanzsumme x 100 = Eigenkapitalquote

Zunächst gilt es zu verstehen, was eine Veränderung der Eigenkapitalquote bewirkt: Eine höhere Eigenkapitalquote bedeutet im Umkehrschluss eine geringere Verschuldungsquote des Unternehmens, da sich das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital zu Gunsten des Ersteren verschiebt.

Was habe ich von einer höheren Eigenkapitalquote?

Ein höheres Eigenkapital im Verhältnis zum Fremdkapital bedeutet eine geringere relative Verschuldung. Für das Unternehmen reduziert sich durch die steigende EKQ die Insolvenzgefahr, weshalb die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Unternehmens steigt. Die beiden Insolvenztatbestände Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit können gleichermaßen positiv beeinflusst sein. Zu guter Letzt ist ein Unternehmen mit höherem Eigenkapital unabhängiger, da fremde Geldgeber weniger Einfluss nehmen können.

Auf der anderen Seite kann durch eine höhere Eigenkapitalquote die Eigenkapitalrentabilität sinken, was ich in einem anderen Beitrag bereits näher beleuchtet habe. Grund für dieses Phänomen ist der sogenannte Leverage-Effekt, der besagt, dass Fremdfinanzierung in bestimmten Fällen rentabler ist als die Eigenfinanzierung.

Wie hoch sollte das Eigenkapital des Unternehmens sein?

Wie wahrscheinlich schon vermutet, lässt sich diese Frage pauschal nicht beantworten. Die „ideale“ EKQ schwankt von Branche zu Branche und kann auch von Unternehmen zu Unternehmen variieren. So liegt die gesetzlich vorgeschriebene EKQ für eine Bank bei nur 8%, was für den Großteil aller anderen Unternehmen den Status „stark überschuldet“ bedeuten würde. Grundsätzlich gelten Unternehmen mit einer EKQ von über 30% als solide und Unternehmen mit einer EKQ von 20-30% als durchschnittlich.
Zum Vergleich: Im Schnitt liegt die EKQ in Deutschland bei etwa 25%, was im internationalen Vergleich eher niedrig ist. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die traditionelle Finanzierungsquelle des deutschen Mittelstands noch immer in der Kreditfinanzierung durch Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegt.

Wie verbessere ich meine Eigenkapitalquote?

Die Maßnahmen zur Veränderung der EKQ lassen sich aus der Formel der Kennzahl herauslesen (zur Erinnerung: Eigenkapital/Bilanzsumme x 100 = Eigenkapitalquote).

Die beiden Hebel, die diese Formel bietet, sind: Das Eigenkapital erhöhen und/oder die Bilanzsumme senken.

1. Das Eigenkapital erhöhen

Die erste Maßnahme, um das Eigenkapital zu erhöhen, ist, erwirtschaftete Gewinne im Unternehmen zu belassen (zu thesaurieren). Gewinne werden demnach nicht vom Gesellschafterkreis entnommen. Darüber hinaus kann dem Unternehmen Eigenkapital sowohl durch bestehende Gesellschafter als auch durch neue Investoren zugeführt werden. Sind diese beiden Optionen nicht durchführbar, kann der Gesellschafter entscheiden, etwaige Gesellschafterdarlehen in haftendes Kapital umzuwandeln, indem ein Rangrücktritt für diese Verbindlichkeiten ausgesprochen wird. Durch diese Rangrücktrittserklärung, welche schriftlich zu erfolgen hat, rechnet auch eine Bank das eingesetzte Kapital nicht mehr dem Fremdkapital, sondern dem Eigenkapital zu.

2. Die Bilanzsumme senken

Die Bilanzsumme sinkt automatisch, sobald dem Unternehmen Vermögen entzogen wird. Klingt einfach, ist in der Praxis jedoch oft schwierig. Schließlich haben nur die wenigsten Unternehmen Vermögensgegenstände in der Bilanz, die nicht ausschlaggebend für den Erfolg des Unternehmens sind.

Dennoch bieten sich zwei Modell an, um die Bilanzsumme zu senken.

a. Sale & Lease Back

Bei einem Sale & Lease Back verkauft das Unternehmen einen Vermögensgegenstand, welcher sofort darauf vom Käufer zurückgeleased wird. Der Vermögensgegenstand verlässt die Bilanz des Unternehmens und wird in einen unmittelbaren Liquiditätszufluss für das Unternehmen gewandelt. Da beim Sale & Lease Back nur der Vermögensgegenstand relevant für die Bewertung ist, bietet sich dieses Modell insbesondere für Unternehmen mit schwacher Bonität an. Die geschaffene Liquidität kann dann zur Rückführung von Verbindlichkeiten aufgewendet werden, wodurch sich die Bilanz verkürzt.

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b. Factoring

Auch das Factoring stellt eine Möglichkeit dar, die Bilanzsumme zu verringern. Denn, auch Forderungen sind Vermögensgegenstände. Diese werden beim Factoring an einen Factor verkauft und dienen ebenfalls als Methode zur kurzfristigen Beschaffung von Liquidität, die wiederum zur Verkürzung der Bilanz verwendet werden kann.

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Egal ob oder welche Maßnahme Sie ergreifen, die regelmäßige Überwachung der Kennzahl Eigenkapitalquote ist immer geboten. Gerade in Krisenzeiten rückt das Eigenkapital schnell in den Hintergrund, denn der erste Blick gilt dann meist der Liquidität. Dies kann dazu führen, dass das Unternehmen schleichend und unbemerkt in eine Überschuldung gerät. Ein überschuldetes Unternehmen ist einer massiven Instabilität ausgesetzt, weshalb Überschuldung nicht ohne Grund einen Insolvenztatbestand darstellt.

Die Eigenkapitalquote lässt sich über selbst erstellte Tabellen wie auch über professionellen Tools wie CANEI.digital genau und unkompliziert überwachen und Monat für Monat optimieren. Auch das Hinzuziehen eines externen Beraters kann im Falle einer drohenden Überschuldung frische Energie und neue Ideen liefern. In Deutschland hat sich im Zuge der Corona-Pandemie die ISEM-Initiative zur Stärkung des Eigenkapitals im Mittelstand gegründet. Mit strengem Fokus weist ISEM auf das Thema hin und beschwört das Unternehmertum, die Kennzahl Eigenkapitalquote nicht außer Acht zu lassen.

Informationen zur ISEM finden Sie unter: https://initiative-eigenkapital.de

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